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Cineastische Videos mit der DJI Osmo Action 6: Unsere Kameraeinstellungen aus der Praxis

nuTools . World of mobile camera gear
Filmmaking

Actioncams verbindet man oft mit Mountainbike-Trails, Skiabfahrten oder spektakulären POV-Aufnahmen. Dabei wird häufig übersehen, wie leistungsfähig moderne Modelle inzwischen auch für hochwertige Videoproduktionen geworden sind.

Die DJI Osmo Action 6 ist dafür ein gutes Beispiel. Mit den richtigen Einstellungen liefert sie Material, das sich problemlos in professionelle Produktionen integrieren lässt. Wir setzen sie regelmäßig für B-Roll, Reisevideos, Social-Media-Content und sogar in Kundenprojekten ein, wenn eine kompakte Kamera gefragt ist.

Dabei verfolgen wir allerdings einen anderen Ansatz als viele klassische Actioncam-Nutzer. Uns geht es nicht um maximale Schärfe oder möglichst spektakuläre Effekte. Unser Ziel ist ein ruhiges, natürliches Bild mit möglichst viel Spielraum für die Nachbearbeitung.


Der wichtigste Schritt: Raus aus der Automatik

Für spontane Urlaubsvideos funktioniert die Vollautomatik der DJI Osmo Action 6 erstaunlich gut. Sobald jedoch ein einheitlicher Look gefragt ist, wechseln wir grundsätzlich in den Pro-Modus.

Dort lassen sich Belichtung, Verschlusszeit, ISO, Farbprofil und Bildparameter gezielt steuern. Genau diese Einstellungen entscheiden am Ende darüber, ob ein Video nach Actioncam oder nach hochwertiger Filmproduktion aussieht.

4K mit 25 Bildern pro Sekunde

Eine der häufigsten Fragen lautet: Warum filmen wir nicht mit 60 fps?

Die Antwort ist einfach: Mehr Bilder pro Sekunde bedeuten nicht automatisch bessere Bilder.

Für nahezu alle Projekte nehmen wir in 4K mit 25 Bildern pro Sekunde auf. Viele verbinden den Filmlook mit 24 fps, was historisch aus der Kinowelt stammt. In Europa hat sich jedoch seit vielen Jahren 25 fps etabliert und das aus gutem Grund.

Unsere Stromnetze arbeiten mit 50 Hz. Viele LED-Leuchten, Leuchtstoffröhren oder andere künstliche Lichtquellen orientieren sich ebenfalls an dieser Frequenz. In Kombination mit einer Verschlusszeit von 1/50 Sekunde lassen sich dadurch störende Flimmer-Effekte deutlich besser vermeiden.

Der Unterschied zwischen 24 und 25 Bildern pro Sekunde ist für Zuschauer praktisch nicht sichtbar. Die Vorteile bei Innenaufnahmen oder gemischten Lichtsituationen dagegen schon.

Deshalb ist 4K mit 25 fps für uns die erste Wahl.

Nur wenn wir gezielt Zeitlupen produzieren möchten, wechseln wir auf 50 oder 100 fps.

Die 180-Grad-Regel macht den Unterschied

Viele Nutzer konzentrieren sich auf Auflösung oder Bildrate. Aus unserer Sicht hat jedoch eine andere Einstellung deutlich mehr Einfluss auf den Bildeindruck: die Verschlusszeit.

Lässt man sie automatisch arbeiten, verkürzt die Kamera sie bei Sonnenschein häufig auf 1/500 oder sogar 1/1000 Sekunde. Bewegungen wirken dadurch hart und unnatürlich, fast so, als würde jedes Einzelbild eingefroren.

Wir orientieren uns deshalb konsequent an der 180-Grad-Regel, einem Grundprinzip der professionellen Filmproduktion.

Sie besagt vereinfacht, dass die Verschlusszeit ungefähr dem Doppelten der Bildrate entsprechen sollte.

Bei unseren bevorzugten 25 Bildern pro Sekunde bedeutet das eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde.

Diese Kombination sorgt für genau die natürliche Bewegungsunschärfe, die unser Auge aus Filmen kennt.

Ohne ND-Filter funktioniert das nicht

Sobald die Verschlusszeit fest auf 1/50 Sekunde eingestellt ist, tritt bei Tageslicht sofort das nächste Problem auf: Das Bild wird viel zu hell.

Deshalb gehören ND-Filter für uns zur Grundausstattung jeder Actioncam.

Je nach Sonneneinstrahlung verwenden wir meistens einen ND16 oder ND32. Sie funktionieren wie eine Sonnenbrille für das Objektiv und reduzieren das einfallende Licht, ohne die Farben zu verändern.

Erst dadurch lässt sich die gewünschte Verschlusszeit auch bei strahlendem Sonnenschein einhalten.

Wer einmal mit ND-Filtern gearbeitet hat, möchte darauf in der Regel nicht mehr verzichten.

ISO möglichst niedrig halten

Der Sensor einer Actioncam ist deutlich kleiner als der einer spiegellosen Systemkamera. Deshalb macht sich Bildrauschen schneller bemerkbar.

Wir lassen die ISO zwar auf Automatik, begrenzen den Bereich jedoch konsequent. Unser bevorzugter Arbeitsbereich liegt zwischen ISO 100 und ISO 400.

Steigt die ISO darüber hinaus, nimmt das Bildrauschen sichtbar zu und feine Details gehen verloren.

Lieber setzen wir zusätzliches Licht ein oder wählen einen anderen Aufnahmezeitpunkt, als die Kamera dauerhaft mit hohen ISO-Werten arbeiten zu lassen.

Belichtung lieber leicht reduzieren

Eine Einstellung, die wir fast immer anpassen, ist die Belichtungskorrektur.

Die DJI Osmo Action 6 belichtet unserer Erfahrung nach standardmäßig etwas zu hell. Das wirkt auf dem Display zunächst sehr ansprechend, kostet aber Reserven in den hellen Bildbereichen.

Deshalb arbeiten wir häufig mit einer Belichtungskorrektur von -0,3 EV.

Das Bild wirkt dadurch natürlicher und bietet bei der Farbkorrektur deutlich mehr Spielraum.

D-Log M ist für uns die erste Wahl

Wer seine Videos direkt veröffentlichen möchte, fährt mit dem normalen Farbprofil sehr gut.

Sobald das Material jedoch professionell bearbeitet werden soll, filmen wir grundsätzlich in D-Log M (10 Bit).

Das Bild wirkt zunächst flach und kontrastarm. Genau darin liegt aber der Vorteil. Schatten und Lichter enthalten deutlich mehr Bildinformationen, wodurch sich Farben später wesentlich präziser gestalten lassen.

Mit einer passenden LUT entsteht daraus innerhalb weniger Sekunden ein natürlicher, hochwertiger Look, der deutlich mehr Reserven bietet als das Standardprofil.

Standard-FOV statt Actioncam-Look

Der typische Ultraweitwinkel gehört für viele zu einer Actioncam dazu.

Für cineastische Produktionen verzichten wir allerdings häufig darauf und wählen stattdessen das Standard-FOV.

Gerade Linien bleiben erhalten, Gesichter wirken natürlicher und das Bild erinnert deutlich stärker an klassische Kameras als an eine Actioncam.

Gerade bei Produktaufnahmen oder Landschaften macht dieser kleine Unterschied erstaunlich viel aus.

Weniger kamerainterne Bildbearbeitung

Viele Kameras versuchen bereits während der Aufnahme, das Bild möglichst knackig wirken zu lassen.

Die DJI Osmo Action 6 schärft standardmäßig sichtbar nach und reduziert gleichzeitig Bildrauschen.

Für den schnellen Upload mag das sinnvoll sein. Für eine professionelle Nachbearbeitung dagegen eher nicht.

Deshalb reduzieren wir sowohl Texture (Schärfe) als auch Noise Reduction (Rauschunterdrückung) konsequent auf -2.

Das Material wirkt direkt aus der Kamera zunächst etwas weicher. Im Schnitt profitieren wir jedoch von deutlich natürlicheren Details und können Schärfe oder Rauschreduzierung später gezielt und wesentlich hochwertiger in Programmen wie DaVinci Resolve oder Adobe Premiere anwenden.

Unser Grundsatz lautet deshalb: Lieber ein neutrales Ausgangsbild aufzeichnen als eine Kamera entscheiden zu lassen, wie das fertige Video aussehen soll.

Bitrate: Hier lohnt sich die höchste Einstellung

Eine Einstellung, die wir grundsätzlich empfehlen, ist die Bitrate auf "Hoch" zu setzen.

Die Bitrate bestimmt, wie viele Bildinformationen pro Sekunde gespeichert werden. Je höher dieser Wert ist, desto mehr Details kann die Kamera aufzeichnen. Das macht sich besonders bei feinen Strukturen, schnellen Bewegungen oder komplexen Motiven wie Wasser, Laub oder Gras bemerkbar. Gleichzeitig entstehen weniger Kompressionsartefakte und das Material bietet mehr Reserven für die Farbkorrektur und den Videoschnitt.

Der einzige Nachteil: Die Dateien werden etwas größer. Aus unserer Sicht ist das jedoch ein kleiner Preis für die deutlich bessere Bildqualität, insbesondere wenn die Aufnahmen später professionell bearbeitet werden sollen.

Zusätzlich deaktivieren wir sämtliche Systemtöne der Kamera. So vermeiden wir unerwünschte Signaltöne während der Aufnahme und die Kamera arbeitet insgesamt unauffälliger, etwa bei Interviews oder in ruhigen Umgebungen.

Für die Bildkomposition aktivieren wir außerdem das Gitternetz (Grid) auf dem Display. Gerade auf dem vergleichsweise kleinen Bildschirm der DJI Osmo Action 6 hilft es dabei, den Horizont sauber auszurichten und Motive harmonisch nach der Drittelregel zu platzieren. Eine kleine Hilfe, die sich in der Praxis erstaunlich oft auszahlt.


Unser Fazit

Die DJI Osmo Action 6 ist weit mehr als eine klassische Actioncam. Mit den richtigen Einstellungen liefert sie Material, das sich problemlos neben Aufnahmen größerer Kameras einsetzen lässt.

Unser Workflow ist dabei bewusst einfach: 4K mit 25 fps, eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde, D-Log M, ISO 100 bis 400, ND-Filter, Standard-FOV sowie Schärfe und Rauschunterdrückung auf -2.

Viel wichtiger als einzelne Menüpunkte ist jedoch das Verständnis, warum diese Einstellungen gewählt werden. Erst das Zusammenspiel aus Bildrate, Verschlusszeit, Licht und Farbprofil erzeugt den ruhigen, natürlichen Look, den wir mit einer cineastischen Bildsprache verbinden.

Genau deshalb sehen wir die DJI Osmo Action 6 nicht nur als Actioncam, sondern als erstaunlich leistungsfähige Videokamera für alle, die unterwegs nicht auf hochwertige Bilder verzichten möchten

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